Eisenmangel und Anämie sind bei vielen Frauen aufgrund der Menstruation und im Ausdauersport ein Dauerthema. Viele Betroffene stellen sich deshalb die Frage, ob sie Eisen supplementieren und dabei vielleicht sogar zu Eiseninfusionen greifen sollen, “um die Eisenspeicher wieder richtig aufzufüllen”. In der Biohacking-Szene wird aktuell regelrecht für Eiseninfusionen geworben, nach dem Motto: „So bringst Du Dein Ferritin auf 100!“, obwohl Ärzte von Eiseninfusionen im Regelfall abraten.
Das Auffüllen von Eisen bei einem Eisenmangel klingt erst einmal logisch: “Wo Eisen fehlt, muss Eisen her.” So einfach ist es in der Realität aber nicht. Eisen muss gebunden und eingebaut werden können, ansonsten wird es frei. Dafür braucht der Körper ausreichend Eiweiß, eine passende Hormonlage, eine funktionierende Blutbildung, eine gute Vitalstoffversorgung und funktionale Blutproteine. Passt das alles nicht, dann schadet die Eiseninfusion dem Körper weit mehr als sie nützt.
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Eisen und Eiweiß
Wichtige Kontraindikationen für Eiseninfusionen sind Allergien, Infektionen, Eisenüberladung, Störungen der Blutbildung sowie Eisenverwertungsstörungen. Diese Eisenverwertungsstörungen können jedoch nicht nur in diagnostizierten Bluterkrankungen bestehen, sondern auch in einem Eiweißmangel.
Hämoglobin ist das eisenhaltige Protein in den Erythrozyten, das für den Gasaustausch zuständig ist. Es wird aus Häm (eisenhaltiger Anteil) und Globin (Proteinanteil) gebildet. Hat der Körper nicht ausreichend Protein, funktioniert die Synthese von Hämoglobin nicht richtig. Essstörungen und Mangelernährung sind bei Frauen weit verbreitet. Im Ausdauersport kommt es oft sogar unbewusst zu einer Mangelernährung, da der Verbrauch an Nährstoffen über viele Stunden bei hoher Last oft größer ist als das, was zugeführt wird. Dadurch ist das Gesamteiweiß (wichtiger Marker im Blut) bei Ausdauersportlern oft sehr niedrig.
Spätestens hier wird deutlich: Die Ursachen liegen meist tiefer und sind komplexer miteinander verknüpft.
Eisen und Hormone
Zu kaum einem Thema wird im Profisport so viel gelogen wie zu dem Thema Hormone. Eben weil anabole Hormone bei der Leistungssteigerung (Doping) und der Blutbildung so wichtig und wirkungsvoll sind!
Müdigkeit, Leistungschwäche und Kurzatmigkeit sind Symptome einer Eisenmangelanämie. Sie entstehen, weil der Körper bei dieser Art der Blutarmut (Anämie) zu wenig funktionales Hämoglobin hat, um einen gesunden Gasaustausch im Gewebe zu gewährleisten. Hämoglobin ist ein Teil der Erythrozyten, der roten Blutkörperchen. Um gesundes Blut aufzubauen, benötigt der Körper eine ganze Reihe anaboler Hormone.
Das sind vor allem: Erythropoetin (EPO), Testosteron, das Wachstumshormon (GH) zur Stimulation von IGF-1 sowie die Schilddrüsenhormone T3 und T4. Passt also die Hormonlage nicht, dann kann der Körper auch kein gesundes Blut bilden und Eisen in den Erythrozyten nicht richtig einbauen.
Ursachen sind daher selten linear. Sie entstehen aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die sich über längere Zeit aufbauen.
Eisen und nicht-enzymatische Glykierung von Blutproteinen
Dieser Faktor wird gerade von Sportlern oft unterschätzt. Eine Glykierung von Blutproteinen bedeutet, dass sich Zucker an diese Proteine „anheftet“, wodurch sie nicht mehr funktional sind. Das betrifft nicht nur das Hämoglobin (seine “Verzuckerung” wird mit dem HbA1c-Wert, dem “Langzeitblutzucker”, gemessen), sondern auch das Transferrin und das Ferritin. Glykiertes Transferrin kann Eisen schlechter binden und zu den Zellen transportieren. Daraus kann ein funktionaler Eisenmangel entstehen.
Sportler haben zwar im Regelfall einen niedrigen HbA1c-Wert, da die Muskulatur den Zucker “zieht”, durch hohe Stresslevel über lange Zeit, zu viel Zucker, sowie Natrium- und Magnesiummangel (hohe Verluste über den Schweiß) kann es bei ihnen aber trotzdem zu einer Glykierung der Blutproteine kommen.
Eisen und Vitalstoffe
Der Körper benötigt eine Vielzahl von Co-Faktoren für eine gesunde Blutbildung. Die wichtigsten hiervon sind Vitamin B12, Fohlsäure (Vitamin B9), Vitamin B6, Zink, Kupfer, Vitamin E und Vitamin C.
Vor allem Vitamin C spielt im Eisenstoffwechsel eine zentrale Rolle. Es verbessert die Eisenaufnahme in den Körperzellen und ist essenziell für die Kollagensynthese. Blutgefäße (Kapillare) bestehen zu einem Großteil aus Kollagen. Durch einen Mangel an Vitamin C und damit an Kollagen werden die Blutgefäße fragil. Dadurch kann es zu inneren Blutungen bzw. einem Zerplatzen der roten Blutkörperchen (Hämolyse) kommen. Das bedingt Entzündungen und Infektionen im Körper und im schlimmsten Fall eine Anämie.
Gerade Ausdauersportler haben durch ihre hohe Oxidationsrate (hohe Last über lange Zeit) einen hohen Umsatz an Vitamin C, so wie an Mineralstoffen und B-Vitaminen. Führen Ausdauersportler zudem während langer Einheiten permanent Zucker zu, kommt es zu einer kompetitiven Hemmung zwischen der Aufnahme von Dehydroascorbinsäure (der oxidierten Form von Vitamin C) und Glukose. Das heißt, der Körper nimmt währends des Sports über die GLUT1- und GLUT3-Transporter Glukose auf, aber kein Vitamin C.
Freies Eisen ist eine Gefahr für den Körper!
Bildlich vereinfacht lässt sich das folgendermaßen beschreiben: Auf einer Baustelle wird ganz viel von einem bestimmten Material (Eisen) geliefert. Es sind dort aber zu wenige Arbeiter (Eiweiß, Enzyme), die das Material überhaupt einbauen können. Es fehlt dort bereits an allen möglichen anderen Materialien (Vitalstoffe etc.) und es gibt dort auch keine richtige Bauplanung (Hormone als Informationsträger). Dann nutzt auch diese hohe Menge an dem einen Material (Eisen) für das gesamte Gebäude (Blut) wenig.
Im Fall von Eisen liegt das ungenutze Material für den Blutaufbau dann nicht “einfach nur irgendwo rum” und schadet nicht, sondern freies Eisen wirkt hoch reaktiv im Körper. Es kann Gewebe, Zellen, Mitochondrien und die DNA schädigen und sich in Organen wie Leber und Niere ablagern. Zudem fördert es das Wachstum von Bakterien und schwächt das Immunsystem. Wenn also Protein- und Nährstoffmängel bestehen, die Hormonwerte nicht passen und die Blutproteine nicht funktional sind (was bei den meisten Menschen mit Eisenmangel der Fall ist!) dann können Eiseninfusionen zwar kurzfristig den Ferritinwert erhöhen, die eigentliche Ursache des funktionalen Eisenmangels bleibt aber bestehen. So kehrt der Eisenmangel trotz Infusionen immer wieder zurück und dem Körper geht es auf lange Sicht immer schlechter.

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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen der Information und Einordnung. Sie ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.